Sardinien hat zwar viele Jahrhunderte wechselhafter und aufregender Geschichte hinter sich, seit den Karthagern und Römern war die Insel fast immer fremdverwaltet, zuletzt seit ca 150 Jahren gehört die Insel zu Italien.
Trotzdem scheinen die Jahrhunderte, ja Jahrtausende hier kaum (metallische) Spuren hinterlassen zu haben. Zwar stehen noch ca 8000 Nuraghen, bzw deren Reste in der Gegend rum, das sind gewaltige, festungsartige Steintürme aus der Zeit der ägyptischen Pyramiden, also bis zu 4000 Jahre alt. Allerdings waren die Erbauer Angehörige der Steinzeit, Metalle waren ihnen fremd. So hinterließen sie nur ein paar "Bronzetti" genannte kleine Götter- und Kriegerfiguren, die die beginnende Bronzezeit anzeigen. Zudem sind hier wie überall die archäologischen Areale absolute Tabu-Zone, und es lohnt absolut nicht, wegen so einem - eh kaum noch zu findenden - Figürchen gnadenlose Strafen zu riskieren.
Abgesehen von ein paar Strandrunden, die ein bisschen Modeschmuck, ein paar €uros und viele Cent-Leichen zutage bringen, finde ich überwiegend Zeugnisse der Bauern- und Hirtenkultur, die Sardinien seit jeher prägt. Mein bisher antikster Fund war ein Hufeisen, das die Kenner unter Euch auf ca 1200 nC einschätzten. Sonst mehr oder minder gut erhaltene Reste von Werkzeugen, Hausrat und Gebrauchsgegenständen. Und im Bereich "Münzen" schaut's eher trist aus: dort, wo die traditionellen Feiern, Feste und Veranstaltungen abgehalten wurden und werden, einige Euros, hin und wieder mal ein Lirestück, aber so gut wie nie was älteres. 20. Jht, und bisher nur 2 Münzen aus dem 19 Jht: ein 5-Centime-Stück 1855, als Sardinien unter französisch/napoleonischem Einfluss stand, und eine 5-Centesimi-Münze 1862, als Sardinien bereits zum gerade mal 1 Jahr alten Italien gehörte. Ein Grund (Hauptgrund?), warum so wenig Münzen zu finden sind, ist das Faktum, dass bis heute in Sardinien (wie auch in Italien) verhältnismäßig wenig Kleingeld im Umlauf ist und, insbesondere in früheren Zeiten, kaum jemand im Alltag Münzen in der Tasche hat.
Umso mehr freue ich mich, wenn ich, wie gestern, gleich drei Münzen ausgrabe, die nicht aus €urozeiten stammen:

schlecht erhalten, aber identifizierbare 5-Centesimi aus 1862

rund 50 Jahre jünger, besser erhalten: 20 Centesimi 1918

und noch 5 Centesimi Anfang 20. Jht, 1922
A propos ausgraben: Sardinien ist vulkanisch/maritimen Ursprungs, besteht also aus Granit und Kalkstein, und beides reichlich. Ein kleines Schauferl, wie ich es in Österreich verwende, entlockt dem Boden hier nur ein müdes Grinsen. Das Mindeste ist eine Grabehacke, meist ist die große Spitzhacke und der schwere Spaten gefragt. Heuer kam erschwerend dazu, dass es von März bis jetzt so gut wie nicht geregnet hat, wodurch der Boden eine verblüffende Ähnlichkeit mit fettem Beton bekam. So manchem guten Signal konnte ich nicht nachgehen, weil dazu ein Presslufthammer nötig gewesen wäre, um tiefer als 4 oder 5 cm in den Boden einzudringen.
Erst vor einigen Tagen haben die ersten Herbstregen den Boden soweit aufgeweicht, dass das sondeln wieder Spaß macht. Aber noch gibt's das eine oder andere, das das sondeln komplizierter macht als in Österreich - wie dieses Foto zeigt:

Aber auch solche Szenerien findet man hier, und da macht's richtig Freude.

So, das war ein kleiner Bericht darüber, wie sich mein Hobby auf einem der schönsten Flecken Europas (Einspruch wird zur Kenntnis genommen
Ciao bis zum nächsten Fund!
peko



