von G.Buchner » Fr 2. Okt 2015, 19:51
Wo bleibt eigentlich die Meinungsvielfalt. Ich habe immer öfter das Gefühl, dass ich gar nicht mehr genug Spielraum habe, um mir zu diesem oder jenem Thema meine Meinung zu bilden. Die anderen waren immer schon da!
Und sobald eine Herden-taugliche Meinung da ist, schließt man sich gefälligst an. Natürlich gibt es auch eine Gegenmeinung, aber an die schließt man sich auch gefälligst an. Ich fühle mich eingezwängt. Ich möchte raus hier.
Egal, ob du Mainstreammedien liest oder die anderen: überall tun sich Meinungsführer(innen) hervor. Egal ob die Griechenlandwahl oder die Flüchtlinge, zack - hier ist die Meinung. Du bist für den Islam, weil du das für das Hohelied der Religionsfreiheit hältst, dann tolerierst du keine Bedenken, Ängste oder Sorgen. Achtung, du könntest ein "besorgter Bürger" sein. Geht gar nicht. Hilfe! Du bist gegen den Islam, dann bist rechts, intolerant und auf jeden Fall auch ein "besorgter Bürger". Geht gar nicht.
Hallo, da war doch mal was zwischen Pegida und Islam-gehört-zu-Deutschland? Was auf der Strecke bleibt, ist die Aneignung von Kenntnissen, eine echte Diskussionskultur, von Prozessen der Meinungsbildung, von Irrtum und Korrektur, von Dazulernen und sich entwickeln. Aller Anfang ist: Gefühle wahrnehmen (und äußern dürfen!), das Unterscheiden-Lernen von irrationalen Ängsten zum Beispiel und berechtigten, Erfahrugen verarbeiten und daraus lernen, sich mit anderen austauschen. Das alles braucht Zeit. Aber nein - stattdessen gibt es Instantsoße aus dem Internet oder dem Fernsehen.
Flüchtlinge. Du gehörst zu den unbedingten Euphorikern oder zu den Hassern. Ich wette, dass die große Mehrheit dazwischen schweigt, weil sie noch nachdenkt oder sich gar keine Meinung mehr äußern traut.
Syriza. Die einen hassen Tsipras und alles was von ihm nun kommt und die anderen reden jetzt dieses Wahlergebnis schön. Warum eigentlich? Tsipras tut das, was er für richtig hält und dafür wurde er jetzt wiedergewählt. Das respektiere ich und muss es noch lange nicht schön finden! Nehmen wir mal die Leute, die ihre Einschätzungen nahe an der Realität entlangführen, die Pragmatiker. Wenn sie Pech haben, wird auf die von beiden Seiten eingehackt. Pragmatismus ist natürlich nicht so erregend, sondern - naja - eher langweilig anstatt unterhaltsam.
Ich plädiere für Nachdenklichkeit, für Meinungsvielfalt und gegen alle Versuche zur Einschüchterung. Ich will, dass jede(r) wieder sagen kann, was er und sie meinen. Aber da kann ich wohl lange darauf warten. Alleine, zuhause in meiner Kammer. Währenddessen werden draußen am laufenden Band Meinungen verhökert. Sonderbare Zeiten.