Ebinger1 hat geschrieben:Nebenfragen:
1. In einem Beitrag deutest Du an das die Metallfunde wie Münzen, Nägel & Cö. von sehr großer Bedeutung für die Datierung und den Fundzusammenhang einer arch. Fundstelle sind, in einem anderen Beitrag wendest Du aber ein das sie nur etwa 10% der Befundslage darstellen.
Sicherlich ist dies je nach Situation verschieden... Wo siehst Du die Gewichtung?
Vorweg herzlichen Dank, daß Sie konkrete Fragen stellen - die zu beantworten wesentlich einfacher ist, als anhand von Satzfragmenten eine mögliche Frage zu interpretieren.
Lieber Herr? Ebinger, Quantität bedeutet auch in diesem Fall nicht Qualitität. Es ist wie bei einem Puzzlespiel, alle vorhandenen Teile sind nahezu sinnlos solange das entscheidene Teil fehlt. Eine generelle Aussage, welches Artefakt in einer Grabung oder Exploration das wichtigste ist, kann man nicht treffen. Im einen Fall kann das ein Gewebefragment sein, in einem anderen eine Tonscherbe oder eben eine Münze oder ein metalisches Teil. Mit Sicherheit kann zumindest ich nur die Feststellung machen, daß aus dem Zusammenhang gerissene Artefakte sowohl ihren (wissenschaftlichen) zumeist Wert weitgehend verlieren, wie auch das Restbild einer Exploration schwer beeinträchtigen, wenn nicht sogar vollkommen zerstören.
Ebinger1 hat geschrieben:2. Ich stelle immer wieder mit Erstaunen fest, das Ämter über mangelnde finanzielle Mittel klagen, aber nicht das große Potenzial (welches u.a. in den Reihen der Sondengänger brach liegt) kanalisieren und eine sinnvolle Zusammenarbeit anstreben.
Siehst Du einen Ansatz / eine Basis auf der beide Gruppe positiv zusammen arbeiten können?
Da berühren Sie zwei sehr heikle und schwierige Themen.
Vorallem in Mitteleuropa breiten sich Siedlungen und Verkehrswege mit rasender Geschwindigkeit aus, beides zerstört viel zu häufig archäologische Stätten (nicht nur Bodendenkmäler). Auf der anderen Seite werden die zur Verfügung stehenden Mittel im Bestenfall nicht gekürzt (von aufgestockt brauchen wir gar nicht erst zu träumen). Dabei ist die Erkundung und Auswertung von archäologischen Stätten eine unglaublich Zeit- und Materialaufwendige Handarbeit von Spezialisten. Um von jetzigen Stand, soll heißen rund 75% der Feldforschung sind Notgrabungen, hin zu einer kontinuierlichen Aufarbeitung und Wertung bekannter Denkmäler zu kommen, müsste zur Verfügung stehendes Personal (und Mittel) in der Regel verdrei- oder vierfacht werden.
Zu einer Zusammenabeit mit Sondler kann ich nur ein ganz persönliches Statement abgeben - das keinerlei offiziellen Charakter hat und NICHT die Meinung eines Denkmalamtes oder einer Behörde wiedergibt.
Ganz persönlich sehe nur sehr, sehr wenige Möglichkeiten wie ein Sondler tatsächlich unsere Arbeit unterstützen könnte. Er kann natürlich Denkmäler finden, dokumentieren wo er etwas gefunden hat und die entsprechenden Behörden davon in Kenntnis setzen. Er kann aber kaum mehr tun, da ihm die Kenntnisse und Möglichkeiten fehlen, um allein wissenschaftlich tätig zu werden. Man kann einfach ein Studium nicht durch einen Kurs ersetzen. Ganz abgesehen davon das für die Exploration einer Fundstelle eine ganze Menge Leute, Wissen, Technik und Aufwand an Zeit und Geld notwendig sind. Es genügt nicht, wie ich schon geschrieben habe, den Metalfund aus dem Boden zu holen und "am Amt" bewerten zu lassen oder ihn dort abzugeben. Selbst wenn der Sondler noch die Fundstelle selbst genauestens beschrieben hat, ergeben Artefakt und Beschreibung zusammen nur die Information das an dieser Stelle "etwas" sein könnte. Diese Information können wir meist nur speichern und auf später verschieben. Allerdings bekommen wir diese Information um den Preis, das der Fundort korrumpiert ist und das Artefakt (wenn es Bedeutung hat) aufwendig restauriert und erhalten werden muss - was zusätzlich Personal und Mittel bindet. Es ist vielleicht etwas schwer zu verstehen, aber der beste Schutz den Artefakte haben können, ist nicht selten der Boden selbst. Solange ein metalisches Artefakt im Boden/Wasser/Moor verbleibt, korrodiert es sehr viel weniger schnell, als wenn es dem Sauerstoff ausgesetzt ist.
Ich persönlich finde es sehr liebenswürdig, daß die Sondler ihre Hilfe anbieten und ich bewundere die Akribie mit der sie sich mancher Objekte annehmen. Ich bezweifle keinen Augenblick ihre Sorgfalt und daß manche ein bedeutendes Wissen haben. Aber auch beides zusammen, kann eine universitäre Ausbildung nicht ersetzen. Es dreht sich die Archäologie ja nicht um die Interpretation eines einzelnen Objektes, sondern um das Aufzeigen von Zusammenhängen, um das Zeichnen einer Kultur und/oder einer Epoche oder das Beantworten ganz konkreter Fragen. Daher geht mit der Feldarbeit auch eine intensive wissenschaftliche Quellen- und Informationsuche und Aufarbeitung einher - von welcher der ambitionierte Laie natürlich nichts sieht. Er sieht das Grabungsteam draussen an der Arbeit (wenn überhaupt) und träumt von Schätzen die in der Erde schlummern. Das es der wahre Schatz sein kann, eine Siedlung zu finden die in "comentarii de bello gallico" genannt wird, kann er meist nicht nachvollziehen. Sowenig wie ein Projekt das die Spuren einer Hansesiedlung am Karmsund erfolgreich gefunden hat und damit eine Lücke im Wissen um die Hanse schließen konnte. Bei beiden Projekten kamen keinerlei materiell wertvolle Funde zu Tage, aber der Wissensschatz ist unglaublich. Beiden Grabungen bzw. Explorationen sind jahrelange Forschungen vorangegangen die weit über das Kerngebiet der Archäologie hinausgingen.
Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen halbwegs erschöpfend beantworten - wenn auch die Antwort für SiesSicherlich enttäuschend sein muss, was mir durchaus leid tut.
mit freundlichen Grüßen, Ihr
Rhäter