Hallo Caddy!
Mein Chef weiß nicht nur - und billigt, daß ich in verschiedensten Foren mitlese (das tun wir NB beide und auch andere Kollegen), sondern auch das ich - in Absprache mit ihm, dann und wann vorallem auf Schlachtfeldern des II Koalitonskrieges mit der Sonde unterwegs war.
Und damit sind wir auch schon in medias res. Ich bitte um Verständnis, das ich im Folgenden weder Orte noch Namen nennen werde.
Um beim Beispiel des Franzosen- bzw. II Koalitionskriegs zu bleiben: Wir wissen (fast) immer wo ein solches Schlachtfeld eine ältere Siedlungsschicht überdeckt und wo nicht. Daher bleibe ich mit der Sonde selbstverständlich von Arealen von denen anzunehmen ist, das unter resp. zwischen dem Schlachtfeld eine ältere Siedlungsschicht liegt fern. Dort könnte ich mit einem unbedachten Spatenstich Unwiderbringliches zerstören. Auf "leeren" Flächen hingegen konnte ich (normalerweise) keinen Schaden anrichten, wenn ich nach Kanonenkugeln u.ä. buddelte. Das allerdings auch nur mit professioneller Akribie, denn in den Boden hineinschauen können auch wir nicht - sowenig wie wir vor Überraschungen sicher sind. Was ich auf solchen Feldern fand, hat so gut wie keinen historischen und noch weniger einen materiellen Wert, da zum Einen die meisten Fakten zum Geschehen bekannt sind und zum Anderen die Artefakte sich zu 95% auf Knöpfe, Projektile, kleine Metallteile beschränken. Diese Teile sind zumeist die aufwendige Restauration nicht wert. Kanonenkugeln - die sich auf Grund der Masse schon recht gut erhalten haben, füllen die einschlägigen Lager der Museen zu Hunderten. Wenn ich mal etwas Restaurienswertes fand, dann ging das automatisch an Landesmuseum. Was viele Schatzjäger nicht wissen, oder bedenken, ist der Umstand das diese Schlachtfelder nach der Schlacht sehr gut aufgeräumt wurden. Selbst Kleidung und Schuhe, Waffen ohnehin, wurden eingesammelt und weiterverwendet. Auch zerstörte Waffen wurden damals schon wiederverwertet. Wertvolle Dinge wie Schmuck und Uhren wurden den Toten fast immer abgenommen, bevor diese i.d.R. in einem Massengrab beigesetzt wurden. Also bieten auch solche Gräber keine nennenswerten (materiellen) Funde.
Ungut wird die Geschichte dann, wenn sich so ein S.feld mit z.B. rätischen Siedlung überlagert. Sogar wenn der Pflug des Bauern in den letzten 60/70 Jahren (seit tiefgepflügt wird) immer wieder über diese Flächen ging, gibt eine Chance das sich Artefakte aus römischer Zeit erhalten haben. Sie werden zwar nicht mehr an den originalen Stellen liegen, aber auch nicht allzuweit entfernt. Geht nun ein Sondler über diesen Acker und freut sich über die römischen Münzen, so hat er zwar für sich einen Schatz gefunden, uns aber die Möglichkeit genommen zu erfahren, wann und mit wem die Bewohner der Siedlung handelten. Wenn er dann auch noch frisch, frei, fromm und fröhlich alle Fibeln aufklaubt und die Pferdebeschläge und Nägel, dann bleibt uns gerade ein Rest von Tonscherben, Brandspuren und Pfostenlöchern. Wir können dann erklären das hier einmal eine Siedlung war, aber meist nicht einmal mehr, wer hier siedelte. Somit hat der Sondler seinen Schatz in der Vitrine - aber zu Lasten der gesamten Gesellschaft.
Noch fataler ist es, wenn bekannte und unbekannte Gräber von Sondlern geöffnet werden. Wir, als Archäologen, sind auf diese Gräber - als Bild der Gesellschaft der Zeit - ziemlich angewiesen. Unabhängig davon ob es sich um Brandgräber oder Körperbestattungen handelt. Immer ist es das Gesamtbild des Fundes, das uns Aufschlüsse ermöglicht. Wenn wir, obwohl wir das Grab kannten, es aber mangels Mittel nicht fachgerecht untersuchen konnten, u.U. nach Jahren Knochen und Tonreste in der Umgebung aufsammeln dürfen, ist nicht nur die Enttäuschung groß.... Ich erwähne das Beispiel eines Bauern, der auf seinem Land drei Königsgräber hatte. Eines wurde 1935 geöffnet und dokumentiert - die Grabbeigaben sind verschollen und nur als Zeichnung erhalten, das Zweite öffnete mein Chef vor gut 15 Jahren und bekam einen wunderbaren Einblick in die Handelsbeziehungen der späten Bronzezeit. Das Dritte blieb - es fehlten einfach die Mittel, einstweilen unberührt. Bis vermutlich vor zwei Jahren... Mittlerweile hatte der Bauer seinen Hof verkauft und war ins Ausland verzogen. Als wir eher zufällig wiedermal in dieses Gebiet kamen, blieb uns buchstäblich die Spucke weg: Der dritte Grabhügel war nicht mehr da! Die Grabräuber konnten nie dingfest gemacht werden, aber unser Haus konnte letztes Jahr einen goldenen Torques erwerben, der mit einiger Sicherheit aus diesem dritten Hügel stammte.
Sie sehen also selbst, das hier ein großes Spannungsfeld aufklafft zwischen der Lust an einem Hobby und dem möglichen Schaden an fundierten Geschichtskenntnissen. Natürlich verstehe ich die Freude, wenn die Sonde vor den Füßen piepst und es ist mir sehr bewußt das 90 aller "Funde" schlichtweg Schrott sind. Aber manchmal ist es eben jener Schrott, dem wir das Wissen das die Menschen dort so und so arbeiteten, zu verdanken haben. In einer Sammlervitrine macht ein Nagel nicht viel her - uns kann er sagen daß die Menschen der Zeit und des Ortes bereits Stahl kannten und woher sie die Rohstoffe/Kenntnisse hatten....
Zur Suche nach Überresten des WK II möchte ich mich nicht äussern.
Bei der qualifizierten Suche nach Spuren unserer Vorfahren spielt die Metallsonde eigentlich eine Nebenrolle und kommt fast nur bei Notgrabungen zum Einsatz, wenn der Aushub nicht mit anderen Mitteln durchsucht werden kann oder die Bodenbeschaffenheit Metallobjekte nicht erkennen läßt. Ansonsten führen in diesem Konzert immer noch Spatel, Pinsel und Sieb das Orchester an, wenn auch mit dem Bodenradar eine neue gewichtige Stimme dazugekommen ist.
Was mein Posting in dem von Ihnen erwähnten Forum anbetrifft - das mittlerweile anscheinend gelöscht wurde, so kann ich nur bemerken, dass es jedem Forumsbetreiber natürlich freisteht, eigene Regeln zu erlassen. Die Praktik erst "spenden" zu dürfen, ist allerdings bemerkenswert und ich könnte mir durchaus vorstellen das dies manches Finanzamt als gewerbliche Täigkeit auffassen wird. Im allgemeinen befindet sich gerade dieses Forum dezitiert im Fokus der Behörden und es verblüfft uns mit welcher Naivität dort Grabräuberei propagiert wird.
Wie in meinem Eingangspost erwähnt, habe ich ein anderes Aufgabengebiet bekommen, dass mir weniger Freizeit zubilligt. In dieser Freizeit möchte ich mich mehr der Jagd und der Fischerei widmen, als mit der Sonde - so nett das auch ist, über "den Acker" zu stiefeln. Wenn es mich zukünftig juckt
sondeln zu gehen, darf ich wie gesagt, die Ausrüstung des Hauses benützen. Einfach die Sachen hier herumliegen zu lassen - ohne sie zu brauchen scheint mir sinnlos, daher kann man mit mir über den Preis auch durchaus reden.
mit freundlichen Grüßen, der
Rhäter