Ein interessanter Artikel bei nzz.ch: "Migrationspolitik auf dem Holzweg"
Seit langem können
Maghrebstaaten ihre schwierigsten jungen Männer «exportieren», während Migranten, die den legalen Weg suchen, kaum Chancen haben.
Die rund zehn Millionen junge Männer im Maghreb im Alter zwischen 18 und 30 Jahren lassen sich in drei grundverschiedene Gruppen einteilen.
1. weltoffene Gruppe aus der Oberschicht, hat Privatschulen besucht und studiert anschließend entweder in Europa oder an den besten Universitäten oder Managementschulen in ihren Herkunftsländern. Diese Gruppe umfasst nur wenige Prozent der gesamten Altersgruppe.
2. haben
öffentliche Schulen und anschließend eine
Universität oder Fachhochschule besucht. Sie sind ambitioniert, aber nach Abschluss des Studiums
finden die meisten zurzeit
keine Anstellung. Sie bleiben arbeitslos und schlagen sich mit unqualifizierten Arbeiten, etwa als Taxifahrer, durch. In allen Maghrebstaaten – Libyen als Sonderfall ausgenommen – gibt es mittlerweile hunderttausend «diplômés chômeurs».
3. weitaus grösste Gruppe ... dazu gehören all diejenigen, welche
bestenfalls über eine
Grundschulausbildung verfügen. Die meisten Männer in dieser Kategorie haben bloß eine Art Anlehre gemacht und arbeiten zu miserablen Bedingungen in Fabriken, in Minen oder der Landwirtschaft. Sie leben in der Regel in einem
engen, konservativen Milieu, das nach Jahrzehnten der Beeinflussung durch TV-Sender aus den Golfstaaten zunehmend
rigide-islamisch geprägt ist. Aufgrund des katastrophalen Zustands des öffentlichen Bildungswesens haben sie
weder je gelernt, selbständig zu denken, noch sind sie auf die Bedürfnisse der Wirtschaft in ihren Ländern vorbereitet worden. Das schlimmste Beispiel dafür liefert Algerien: Trotz Massenarbeitslosigkeit müssen chinesische Baufachleute und Ingenieure importiert werden, um Autobahnen, Staudämme oder U-Bahnen zu bauen. Es sind in der überwiegenden Zahl
diese perspektivelosen, ungebildeten jungen Männer, die in den letzten zehn, zwanzig Jahren nach Europa migriert sind. Nach den arabischen Aufständen tauchte zusätzlich eine
neue Kategorie von schwierigen Migranten auf:
entwichene Häftlinge und andere harte Jungs ... aber es war in Deutschland nicht opportun, das Thema aufzugreifen. Schließlich hätten solche Erkenntnisse den Ruf der Flüchtlinge beschädigen können.
Quelle:
http://www.nzz.ch/feuilleton/migrations ... 1.18681328